Alarmierender Agrarreport: Sofortige Trendwende gefordert!

Heute stellte das Bundesamt für Naturschutz erstmals einen Agrar-Report zur biologischen Vielfalt auf Deutschlands Äckern vor.
Die Analyse offenbart dringenden Handlungsbedarf: In allen Bereichen der Agrarlandschaft müsse umgehend gehandelt werden.

Zusammenfassend ist im Bericht von alarmierenden Zustand der biologischen Vielfalt die Rede:

  • Artenvielfalt: Beispielhaft für den eklatanten Artenschwund stehen die Bestandsrückgänge bei wildwachsenden Pflanzenarten (hier: Ackerbegleitpflanzen), Vögeln in der Agrarlandschaft und Insekten. Überproportionale Bestandsrückgänge bei den Kleininsekten und Spinnen fressenden Vogelarten lassen indirekt auch auf einen Rückgang der Insekten schließen. Der Trend der Artenvielfalt in der Agrarlandschaft ist anhaltend rückläufig, von allen regelmäßig bewerteten Lebensraumbereichen ist die Artenvielfalt in der Agrarlandschaft am stärksten rückläufig.
  • Biologische Vielfalt auf Ökosystem- bzw. Landschaftsebene: Auch auf der Ebene der Ökosysteme ist die Biodiversität in der Agrarlandschaft auf breiter Fläche stark rückläufig. Dies verdeutlichen die Ergebnisse der aktuellen Roten Liste der gefährdeten Biotoptypen Deutschlands sowie des Monitorings von Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert. Gerade in intensiv bewirtschafteten Gebieten mit Flächenknappheit und hohen Bodenpreisen fehlen dem Naturschutz die finanziellen Mittel, um wenigstens ein Mindestniveau an Biodiversität aufrechtzuerhalten.
  • Grünland: Der quantitative Rückgang der Fläche des Dauergrünlands hat sich zwar verlangsamt und scheint in Teilen sogar gestoppt. Infolge der fortgesetzt intensiven Grünlandbewirtschaftung schreitet die qualitative Verschlechterung des Grünlands jedoch ungebremst weiter voran. Alarmierend ist, dass dadurch mittlerweile verbreitet auch blütenreiche Grünlandtypen mittlerer Nährstoffgehalte und Bewirtschaftungsintensitäten massiv unter Druck geraten.

Die Indikatoren für die meisten Ziele der nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt weisen einen negativen Trend auf. Ohne eine naturverträgliche Landwirtschaft werden die NBS-Ziele nicht zu erreichen sein, heißt es in der Zusammenfassung des Berichts.

Weiter heißt es: “Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union sowie die nationale Agrarpolitik leisten auch nach der letzten Reform 2013 keinen substanziellen Beitrag, um dem anhaltenden Verlust der biologischen Vielfalt wirksam entgegenzutreten.”
Mit dem Agrar-Report belegt das Bundesamt für Naturschutz deutlich, dass sowohl die GAP der Europäischen Union als auch die nationale Umsetzung hinsichtlich der Erhaltung der Biodiversität versagt haben. Sie leisten keinen substanziellen Beitrag, dem anhaltenden Verlust biologischer Vielfalt in den Agrarlandschaften entgegen zu wirken.

Eine nicht standortgerechte bzw. nicht naturverträgliche Landbewirtschaftung kann aus volkswirtschaftlicher Perspektive beträchtliche Kosten verursachen; die Bereitstellung von ökologischen Leistungen durch die Landwirtschaft, die über die originären Versorgungsleistungen hinausgehen, würde dagegen erhebliche zusätzliche Nutzen erbringen.

Anforderungen an eine zukunftsfähige GAP:

  • Konsequente Ausrichtung von Zahlungen an die Landwirtschaft am Gemeinwohlprinzip nach dem Grundsatz “Öffentliches Geld für öffentliche Leistungen”. Finanzielle Mittel in ausreichender Höhe sind hierfür bereitzustellen.
  •  Schaffung von Anreizen für eine naturverträgliche, standortangepasste und damit nachhaltige Bewirtschaftung einschließlich der Sicherung von ökologischen Leistungen bei drastischer Reduzierung des administrativen Aufwands und Vereinfachung der Kontrollregelungen.
  • Sicherstellung eines Mindestmaßes an Biodiversität auch in Intensivregionen – unter anderem durch konsequente Einhaltung eines zu optimierenden ordnungsrechtlichen Rahmens.

 

Die vollständigen Agrarbericht des BfN gibt es hier zum Download
Die Pressemitteilung des BfN
Heute.de: Agrar-Report
Grüne Konzepte für eine nachhaltige Landwirtschaft

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