Exkursion Auwaldflutung 20.10.2016

Noch vor 150 Jahren floss die Wertach durch ausgedehnte Kieslandschaften und verlagerte dabei stetig ihr Flussbett. Bei jedem Hochwasser breitete sie sich großflächig aus. Durch die Begradigung zwängte man die Wertach in ein befestigtes Kiesbett und die Fließstrecke nahm ab, was zu einer höheren Fallhöhe führt und die Fließgeschwindigkeit erhöht hatte. Infolgedessen schob die Wertach Kies vor sich weiter und grub sich somit immer tiefer in ihr Flussbett ein. Durch die Staustufen kommt auch kein Kies nach. Der Grundwasserspiegel sank ab, Oberflächengewässer und Feuchtflächen fielen trocken.

Durch die ausdauernden Regenfälle an Pfingsten 1999 kam kam es zu einem Jahrhunderthochwasser. Bäume, welche am begradigten Wertachufer wuchsen, wurden ausgerissen und mitgespült. Diese stauten sich am Gögginger Ackermannwehr. Das Wehr hielte den Wassermassen nicht mehr stand und brach in sich zusammen. Ganze Stadtteile wurden überflutet, mit verheerenden Auswirkungen. Dieses Ereignis gab dem Renaturierungsprojekt  der letzten Flusskilometer der Wertach neuen Aufwind. Das Flussbett der Wertach wurde auf den letzten 13 Km deutlich verbreitet, die Fließgeschwindigkeit dadurch verringert. Die Wertach ist seit den Maßnahmen ein Ort der Naherholung geworden. Innerhalb weniger Jahre kehrten Pflanzenarten zurück die an der Wertach nicht mehr zu finden waren und auch die Artenvielfalt der Flora und Fauna hat sich deutlich erhohlt.

Wer an der Wertach bei Inningen unterwegs war – ob zu Fuß oder mit dem Rad – dem sind vielleicht schon einmal die Hinweisschilder des Monitoring-Programm Auwaldflutung aufgefallen. Was hat es damit auf sich?

In Zusammenarbeit mit Forschern und Forscherinnen, sowie MitarbeiterInnen der Universität Augsburg und der BEW – einer Tochter der Lechwerke AG – konnte ich nun einen Rundgang und eine Projektvorstellung organisieren, die Exkursion fand am Donnerstag den 20.10.2016 von 16 bis 18 Uhr statt. Über 30 Interessierte nahmen daran teil.

“Auwaldbewässerung mit Monitoring-Programm am Kraftwerk Inningen” ist ein gemeinschaftliches Projekt von BEW, WWA Donauwörth, der Stadt Augsburg (Untere Naturschutzbehörde und Forstverwaltung), dem Aueninstitut und der Universität Augsburg.

Die Maßnahme wird als ökologische Ausgleichsmaßnahme im Rahmen einer Rampenabsenkung am Wasserkraftwerk Inningen durchgeführt.
Für die Bewässerung wird die vorhandene Fischtreppe genutzt, von dieser ist es möglich das Wasser “dynamisch” zu steuern und zu bestimmten Zeiten in die Altarme der Wertach zu leiten, welche heute als Bewässerungsgraben dienen. Für das Projekt wird ein Monitoring-Programm ab April 2015 zur ökologischen Bewertung durchgeführt.
Durch die Rampenabsenkung konnte eine Leistungssteigerung von 45kW bis 175kW erreicht werden. Durch den Ausbau der Fallhöhe kommt es zu einer Mehrerzeugung von ca. 750.000 kWh im Jahr, für eine zusätzliche Versorgung von Rund 210 Durchschnittshaushalten (Quelle:BEW)

Durch die Begradigung der Wertach hatte sich nicht nur das Flussbett verändert und die Hochwassergefahr erhöht, es hatte auch deutliche Auswirkungen auf Flora und Fauna im früheren Ausbreitungsgebiet der Wertach. Überflutungen der Wälder durch die Schneeschmelzen blieben aus, Oberflächengewässer und Feuchtgebiete verschwanden durch die Grundwasserabsenkung, so wurden zum Beispiel die Auwälder entlang der Wertach immer kleiner und später natürlich auch durch die Bewirtschaftung verändert. Mit Wertach Vital wurde ein großer Schritt zur Renaturierung gemacht. Die Lebensräume von Tieren und Pflanzen sind wieder größer und vielfältiger geworden. „Ausgestorbenes“ ist plötzlich wieder da. Die positiven Auswirkungen auf Lebensräume, Artenvielfalt und Naherholung sind neben dem Hochwasserschutz nicht zu verkennen. Seit Anfang des Jahres wurden unterhalb des Wasserkraftwerks Inningen in einem Teilbereich des Waldes Bewässerungsgräben angelegt, zum Teil aber auch ehemalige Altarme der Wertach genutzt, welche von nun an mehrfach im Jahr über mehrere Wochen hinweg geflutet werden. Dies sorgt dafür, dass Überschwemmungen der Auwälder wie sie früher beispielsweise nach Schneeschmelzen üblich waren, simuliert werden und dadurch eine zeitlich begrenzte Überschwemmung stattfindet. Der Grundwasserspiegel wird erhöht, das hat Auswirkungen auf den Baumbestand, aber auch auf andere Pflanzenarten, die eigentlich nicht in einem Auwald vorkommen. Der jetzige Auwald ist eigentlich kein Auwald mehr, nur noch ein kleiner Teilbereich weist die auwaldübliche Vegetation auf. Durch diese Maßnahme der Auwaldbewässerung soll zunächst dieser kleine Teil geschützt und darüber hinaus dieser langsam ausgebaut werden. Diese Auswirkungen werden in einem Monitoringprogramm der Bayerischen Elektrizitätswerke (BEW) zusammen mit der Universität Augsburg die nächsten 3 Jahre überwacht und ausgewertet.

Die Führung wurde durchgeführt von Sebastian Blass vom Aueninstitut Neuburg/Donau und von Prof. Dr. Wetzel von der Universität Augsburg, sowie von Herrn Kirchner von der Forstverwaltung begleitet.

Zunächst ging es zum Kraftwerk Inningen, seitlich davon wird die Fischtreppe mit Wasser gespeist. Zusätzlich werden über unterirdische Rohre und einem vollautomatischen Steuerungshäuschen die Wasserflussmengen über die Fischtreppe gesteuert, so dass min. immer 300l Sek. über die Fischtreppe fliegen. Dies ist nötig, da am Kraftwerk Inningen im Schwellbetrieb gefahren wird und es so zu Wasserschwankungen in der Fischtreppe kommen würde. Desweiteren werden durch Wasserzugaben über die Steuerungseinheit die Wassermengen der Auwaldbewässerung geregelt.

Von dort ging es weiter in einen Altarm der Wertach, dieser ist nicht mit dem Flutungsgraben verbunden, zeigt aber als eine der wenigen Bereiche noch die auwaldtypische Vegetation. Es sind Feuchtbereiche vorhanden die den Grundwasserstand an diesem Bereich sichtbar machen und einen wichtigen Indikator im Monitoring darstellen.

Weiter ging es nun in den Wald zur Fischtreppe, von hier werden über zwei Rohre die Flutungsgraben gespeist über die ca. 45l/ min fließen um den Auwald zu bewässern. In gewissen Abständen wird dort aber auch eine „Großflutung“ gestartet, dann fließen über den Weg, welcher mit Steinen als Furt ausgelegt wurde 300-500 l Wasser die Minute in den Wald. So auch an diesem Tag für unsere Führung. Die Dunkelheit holte uns ein und diese spannende Führung ging mit einem kleinen Geschenk an die Teilnehmer*innen zu Ende.

Herzlichen Dank an die Fotografen Stefan Heinrich, Kleblatt-Film e.K. und Christian Hahn.

Klaus Wojtek hat uns mit der Kamera begleitet. Das Video findet ihr hier:

Die ganze Strecke des Bewässerungsgrabens bei der Flutung am 20.10.16

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