Eine neue Studie belegt: Auf Ökologisch bewirtschafteten Flächen findet sich eine deutlich höhere Artenvielfalt und Anzahl an Wildkräutern als auf konventionellen Flächen, dass zeigt eine Erhebung des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung (ZALF), die vom WWF Deutschland in Auftrag gegeben wurde.

Der Studie zufolge ist nicht nur die Vielfalt an Ackerwildkräutern um bis zu neunmal größer, es finden sich auf biologisch bewirtschafteten Äckern auch bis zu 20 Mal mehr Exemplare. Für die Studie untersuchten die Wissenschaftler insgesamt 155 konventionelle und  ökologisch bewirtschaftete Felder in 5 Regionen Mecklenburg-Vorpommerns und Brandenburgs. Auf jedem Acker erfassten sie auf drei Probeflächen Wildkräuter mit so klangvollen Namen wie Zottelwicke, Acker-Hundskamille, Gewöhnlicher Reiherschnabel, und Mäuseschwänzchen.

Das Ergebnis ist beeindruckend: Die Artenvielfalt war auf Bioflächen im Schnitt drei- bis neunmal höher, die Ackerwildkräuter waren auf den Ökoflächen vier- bis 20-mal häufiger vertreten. Zudem betrug auf den Bioflächen die Bodendeckung der Ackerwildkräuter 18 bis 37 Prozent, während es auf den konventionell bewirtschafteten Flächen im Schnitt nur bis zu 7 Prozent waren.

Auch unsere Bestäuberinsekten profitieren vom Nahrungsangebot: „Hummel und Biene finden länger einen reich gedeckten Tisch, denn Kornblume, Lämmersalat oder Feld-Rittersporn blühen zu unterschiedlichen Zeiten“, erklärt Christoph Heinrich vom WWF. Gibt es mehr Bestäuber und Insekten, finden wiederum Vögel in der Agrarlandschaft leichter Nahrung. Insgesamt ist es um die Artenvielfalt auf deutschen Äckern schlecht bestellt: „Die jahrzehntelange Intensivierung in der Landwirtschaft hat zu einem dramatischen Rückgang dieser Artengruppe geführt“, schreiben die Wissenschaftler in ihrem Zwischenbericht. So gelten gut ein Drittel der etwa 350 in Deutschland auf Äckern vorkommenden Arten bundesweit als gefährdet. Hauptursachen für die Abnahme und Gefährdung sind den Forschern zufolge der flächendeckende Einsatz von Pestiziden, die hohe Düngung, vor allem in Form von Mineraldünger und Gülle, sowie die geringe Vielfalt an angebauten Kulturen.

„Wir stehen kurz vor einem Arten-Kollaps auf unseren Feldern und Wiesen“, sagte Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz des WWF Deutschland. Er geht davon aus, dass bundesweit gut ein Drittel der etwa 350 auf Äckern vorkommenden Wildkräuter als gefährdet eingestuft werden müssten. Noch sei eine Trendwende möglich, „wenn es gelingt, die Fläche des Ökolandbaus zügig erheblich auszuweiten“, sagte er. Heinrich forderte außerdem ein Verbot von Totalherbiziden und Neonikotinoiden. Sie stünden in Verdacht, das Bienen- und Insektensterben mit zu verursachen, erklärt er.

Die Biofläche legte in Deutschland zuletzt ordentlich zu: Nach aktuellen Zahlen des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) wuchs die Ökofläche 2016 auf 1.185.471 Hektar – ein Plus von 8,9% gegenüber 2015. Doch die Fläche hinkt immer noch der Nachfrage der Verbraucher hinterher und viele Landwirte zögern mit der Umstellung, da ausreichend Unterstützung fehlt.

Harald Ebner, Sprecher für Bioökonomiepolitik der Grünen im Bundestag sagte gegenüber Topagrar: „Die Untersuchung zeigt sehr anschaulich und mehr als deutlich, welche Bedeutung der Ökolandbau weit über seine eigenen Produkte hinaus hat“. Außerdem fordert er von Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt (CSU) deutlich mehr Geld als bisher angekündigt für die angekündigte “Zukunftsstrategie Ökolandbau”.

Berichte aus dem Projekt “Landschaft für Artenvielfalt”
WWF: Kornblumen brauchens Öko
Weltagrarbericht: Wildkräuter stehen auf Bio
Süddeutsche.de: Landwirtschaft – Mehr Öko wagen
Topagrar: WWF fordert mehr Ökolandbau zum Erhalt von Kräutern.

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