Das Grundwasser in Deutschland ist immer noch zu stark belastet.

Schuld daran ist vor allem die Intensivierung der Landwirtschaft und das massive ausbringen von Düngemitteln. So steht es im Nitratbericht 2016 der Bundesregierung, welcher am Dienstag vom Bundesumweltministerium veröffentlicht wurde.

Dem Bericht zufolge wurden an fast ein Drittel der Messstellen die Nitratgrenzwerte überschritten. 2012 bis 2014 lag die Nitratbelastung an 28 Prozent der Grundwassermessstellen über dem zulässig geltenden Schwellenwert von 50 Milligramm pro Liter. Bei weiteren 8,5 Prozent der Messstellen lagen die Nitratkonzentrationen zwischen 40 und 50mg/l. Dazu kommen 14,2% der Messstellen, die einen Nitratgehalt von zwischen 25 und 40 mg/l aufweisen. „Schon diese Messwertklasse steht für eine deutliche anthropogene Überprägung der natürlichen Grundwasserbeschaffenheit“, so die Warnung des Berichtes.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks kritisert: „Die intensivierte Landwirtschaft kommt uns immer wieder teuer zu stehen. Das zeigt sich gerade beim Grundwasser“. Hauptproblem sieht sie beim übermäßigen Einsatz von Stickstoffdüngern. Hendricks weiter: „Wenn es zu stark mit Nitrat belastetet ist, muss es für unsere Trinkwasserversorgung verdünnt oder das Nitrat muss technisch beseitigt werden. Das treibt die Wasserkosten für alle in die Höhe.“ womit sie sicher recht hat. Sie widerspricht damit auch ihrem Ministerkollegen, Landwirtschaftsminister Schmidt, welcher noch gestern darauf aufmerksam gemacht hat, dass die Preise für Lebensmittel deutlich steigen wenn man die Intensivierung der Landwirtschaft eindämmen möchte. Somit bleibt festzustellen, die Ersparnis auf der einen Seite, sind die Kosten auf der anderen Seite. Ungerecht verteilt, deshalb braucht es auch hier dringend die Einführung des Kosten-Verursacher-Prinzips.

Die höchsten Stickstoffüberschüsse vermeldet der Bericht für Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Bremen und Bayern.

Die Autoren erläutern zum Bericht: „Die länderspezifischen Unterschiede sind vorrangig auf die unterschiedliche Höhe des Viehbesatzes sowie die Unterschiede im natürlichen Ertragspotenzial bedingt durch Boden und Klima zurückzuführen“. Das Umweltministerium fordert ein entschlossenes Gegensteuern durch verschärfte Regeln beim Einsatz von landwirtschaftlichen Düngern.
Nun ist auch der EU-Kommission der Geduldsfaden gerissen, sie forderte seit Jahren Maßnahmen von der Bundesrepublik für die Verbesserung der Grundwasserqualität, da diese ausblieben wurde die Bundesrepublik nun wegen den Verstößen gegen die EU-Wasserrahmenrichtlinie verklagt. Sollte es zu einer Verurteilung kommen, drohen Deutschland hohe Geldsummen. Auch deshalb ist es wichtig, den Schutz unserer Grundwasser endlich ernst zu nehmen! Die EU ist hier eindeutig auf Verbraucherseite und die Bundesregierung zu kritisieren.

Nicht nur für unsere Grundwasserkörper sind die Nitratüberschreitungen verheerend, auch an den Küsten der Ost- und Nordsee sieht es nicht gut aus. Die viel zu hohen Stickstoff- und Phosphoreinträge führen hier zu einem übermäßigen Algenwachstum. Die angestrebten Zielwerte seien trotz einem Rückgang in rund 65 Prozent der Messstellen an den Oberflächengewässern überschritten worden und machen weitere Maßnahmen dringen nötig.

Auch in Schwaben sieht es nicht gerade rosig aus

Auch in Schwaben gibt es massive Probleme mit zu hohen Nitratbelastungen in den Grundwasserkörpern. Dies ergab eine Anfrage 2014 der Landtagsabgeordneten Christine Kamm. Demnach stand damals schon fest, dass es nicht möglich sei, bis 2016 die Wasserrahmenrichtlinie der EU einzuhalten. “Diese Wasserreservoire sind laut der Analyse von 2013 so stark mit Nitrat belastet, dass sie bis 2016 die Umweltziele der EG-Wasserrahmenrichtlinie nicht erreichen können. Betroffen von den hohen Nitratwerten sind sogenannte „Grundwasserkörper“ in Kirchhaslach, Krumbach, Dillingen, Bissingen, Kaidheim, Weringen, Nördlingen, Dinkelsbühl, Landsberg, Rain, Aichach und Treuchtlingen” kommentierte Kamm die Anfrage für die Grüne Landtagsfraktion. Außerdem wurde das von der Europäischen Union verbotene Agrargift Atrazin, laut einer Risikoanalyse in Donau-Ries, in Dillingen und einem Trinkwassernotbrunnen in Augsburg in hoher Konzentration nachgewiesen.

BMUB: Nitratberichte
BMUB: Nitratbericht 2016: Keine Entwarnung bei Gewässerbelastung
ZEIT ONLINE: Nitrat-Bericht: Zu viel Gülle
Christine Kamm: Nitratbelastung im schwäbischen Grundwasser

 

3 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

[…] Nitratbericht 2016 – Peter Rauscher Wasserpakt Bayern als PDF BR: Bund Naturschutz für Gesetz statt Freiwilligkeit Süddeutsche Zeitung – Qualität des Grundwassers in Bayern ist in Gefahr Pressemitteilung der bayerischen Staatsregierung zum Wasserpakt Pressemitteilung des bayerischen Bauernverbands zum Wasserpakt […]

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Guten Morgen! Vielen Dank für den umfassenden Artikel.Ich mag Deine Webseite!

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