Gesundheit und Pflege

Als Notfallsanitäter habe ich Einblick in ein System gewonnen, dass höchst ineffizient ist. Unser Gesundheitssystem ist eines der teuersten der Welt und dennoch gerade noch so Mittelmaß. Bei der Lebenserwartung sind wir sogar Schlusslicht in Westeuropa. Deutschland buttert 11,3 % seines Bruttoinlandsprodukts in das Gesundheitssystem – das sind 2,3 Prozentpunkte mehr als der OECD-Durchschnitt. Nur von den USA (17,2 %) und der Schweiz (12,4 %) wird Deutschland übertroffen. Bei den Schweizern zahlt sich dies immerhin aus: Sie leben weltweit fast am längsten.

Ich setze mich für Gesundheitssystem ein, dass effizienter und dadurch besser wird. Das die Gesundheit der Menschen in den Mittelpunkt stellt und damit meine ich die Gesundheit der Beschäftigten in unserem Gesundheitssystem.

Gesundheitsversorgung ist Daseinsvorsorge!

Der Staat darf sich nicht mit dem vordergründigen Argument, er überlasse das Gesundheitswesen zunehmend dem Wettbewerb, aus seiner grundgesetzlichen Verantwortung für die öffentliche Daseinsvorsorge zurückziehen.
Die „Daseinsvorsorge“ zu der eben auch die Gesundheitsvorsorge und damit das Krankenhauswesen gehören, ergibt sich aus dem im Grundgesetz definierten Sozialstaatsprinzip. Kernaussage der Daseinsvorsorge ist die Verpflichtung des Staates, Leistungen zugunsten des Einzelnen zu erbringen – nicht kostenfrei, aber allenfalls für eine zumutbare Gegenleistung.

Filmtipp: Der marktgerechte Patient

Fallpauschalen: Die ökonomische Logik wird zum Maß der Dinge

Mit Einführung der DRG (Diagnosis Related Groups/Fallpauschalen) im Jahr 2004 nimmt die Orientierung an wirtschaftlichen Zielen weiter zu. Dies wirkt sich negativ auf die Patientenversorgung und auf den Arbeitsalltag der Ärztinnen und Ärzte, der Pflegerinnen und Pfleger, aber auch der Reinigungskräfte aus.

Im Vergleich zum alten System der Tagessätze werden unter DRG-Bedingungen stärkere Anreize für ein wirtschaftliches Verhalten gesetzt. Konkret bedeutet dies: Gestaltet sich die Behandlung eines Patienten aufwendiger, als durch die pauschale Vergütung gedeckt, macht das Krankenhaus Verlust. Gelingt es aber, wirtschaftlicher zu arbeiten, als bei der Kalkulation der DRG-Pauschale berechnet, lässt sich ein Gewinn erzielen. Mit der DRG-Einführung sollten Fehlanreize im System beseitigt, die Wirtschaftlichkeit der Leistungserbringung in den Kliniken erhöht und die Kosten gesenkt werden. Erreicht wurde außer einer marginalen Verkürzung der Liegezeiten nichts. Die Verkürzung der Liegezeiten geht einher mit einer Verlagerung von Leistungen in den vor- und nachstationären Bereich. Kosten werden von der Klinik auf andere Bereiche verlagert.

Kurz bedeutet dies: Kommunale Krankenhäuser mit öffentlichem Versorgungsauftrag machen Verlust, private Klinikkonzerne suchen sich ihre Patienten aus und schöpfen Gewinne ab.

Mehr Personal für bessere Pflege

Immer mehr Beschäftigte kehren der Pflege den Rücken. Die Verweildauer im Beruf ist erschreckend gering. Personalmangel führt zu schlechteren Ergebnissen und gefährdet letztlich Menschenleben. Zugleich werden die Pflegenden selbst krank. Damit muss Schluss sein.

Gute Pflege braucht mehr Personal und gute Lohn- und Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten. Wir brauchen daher ein wissenschaftlich fundiertes Verfahren zur einheitlichen Bemessung des Personalbedarfs, welches rechtsverbindlich in allen Bereichen der Pflege Anwendung finden muss.

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