So geht es nicht weiter!

Rund 1 Milliarde Menschen hungern auf unserem Planeten. Im Gegenzug sind rund 2 Milliarden Menschen übergewichtig und leiden an Fettleibigkeit, welche Auslöser vieler Krankheiten ist. Im Jahr 2016 wurden 2,5 Milliarden Tonnen Getreide produziert, davon dienen aber nur 43% als Nahrungsmittel. Ein großer Teil wird zu Tierfutter und Biospritt verarbeitet. Eine der wichtigsten Ursachen des Klimawandels ist unsere Ernährung. Unsere Art wie wir Landwirtschaft betreiben hat Auswirkungen auf den gesamten Globus mit schlimmen Folgen, sie ist mit verantwortlich für das Artensterben, die Wasserknappheit und Umweltzverschmutzung, vermeidbare Volkskrankheiten und Kinderarbeit. Es ist in hohem Maße ungerecht, lässt Kinderarbeit zu und sorgt in weiten Teilen für Armut, das sogenannte “Land Grabbing” durch Global agierende Agrarkonzerne nimmt vielen Menschen die letzten Lebensgrundlagen. Die Art wie wir Landwirtschaft betreiben hat massive Auswirkungen auf uns Menschen, Tier, Natur und Kulturlandschaft.

Fleisch und Futtermittel

Rund 60 Kilogramm Fleisch ist der/die Durchschnittsdeutsche im Jahr. Im Vergleich zum Jahr 1850 hat sich der Fleischkonsum damit vervierfacht. So wurden damals noch 20 Kilogramm Hülsenfrüchte (Bohnen, Linsen, Erbsen) im Jahr verspeist, heute sind es gerade mal noch 500 Gramm pro Kopf im Jahr. Weltweit steigt der Fleischkonsum, wobei zu sagen ist, dass der Fleischkonsum in den reichen Ländern bereits seinen Höhepunkt erreicht hat und rückläufig ist. Der hohe Fleischkonsum hat nicht nur Auswirkungen auf die Tiere, welche teilweise in grausamen Formen, in Massentierhaltung gehalten bzw. gemästet werden, sondern weißt zudem einen enorm hohen Flächenverbrauch auf. Über 40 Prozent der weltweiten Getreideernte wandern direkt in die Futtertröge. Um 1 Kilogramm Fleisch von einem Mastschwein zu gewinnen, werden beispielsweise 3 Kilogramm Futter benötigt, bei Rindern liegt der Anteil an pflanzlicher Masse pro Kilogramm Fleisch noch deutlich höher. Die Folge sind Abholzungen von Wäldern, Landenteignungen (Land-Grabbing), Überdüngung unserer Flächen und aus Folge dessen hohe Nitratbelastungen unserer Grundwasserkörper. Auswirkungen die sich heute noch garnicht abschätzen lassen. Das Ziel muss ganz klar sein – weniger Fleisch – für die Tiere, für das Klima, für unsere Umwelt.

Was hat die Wasserqualität mit unserer Tierhaltung zutun?

Eine Menge! Etwa 27 Million Schweine und 13 Million Rinder werden in Deutschland gehalten. Diese produzieren natürlich auch Exkremente. In der Gülle stecken wertvolle Mineralien die sich bestens als Dünger eignen. Doch wenn der Boden gesättigt ist, wandert dieser “Dünger” in tiefere Erdschichten und letztlich in unsere Grundwasserkörper. Wir importieren Futtermittel, halten Tiere auf zu wenig Fläche und haben somit zuviel Gülle für die vorhandene Fläche. Wir bräuchten etwa 250.000 Hektar mehr Fläche um die Gülle zu entsorgen. Die Überdüngung macht sich auch beim Algenwachstum in den Gewässern erkennbar, so hat dies direkte Auswirkungen auf das Artensterben in Deutschland. Die Trinkwasseraufbereitung wird uns in Zukunft Milliarden kosten, den Preis des “billigen Schnitzels” werden alle zahlen, auch Generationen nach uns. Als erste Maßnahme muss daher die Tierhaltung an die Fläche gekoppelt werden. Düngeverordnungen sind wichtig, verlagern das Problem aber unter Umständen und führen zu einem Gülleexport in benachbarte Länder.

Landgrabbing

Landgrabbing – ein Begriff für den es keine deutsche Übersetzung gibt. Landgrabbing beschreibt großflächige Käufe/Aneignungen hauptsächlich von privaten Agrarunternehmen und Investoren, welche Agrarflächen langfristig pachten oder kaufen, um sie dann in eigener Regie zur Herstellung von Agrarrohstoffen zu nutzen. Es sind oft Grauzonen, in welchen die internationalen Investoren sich bewegen.  In einem Niemandsland zwischen traditionellen Landrechten und modernen Eigentumsverhältnissen. Großflächige Felderbewirtschaftung in Monokultur mit modernsten Agrarmaschinen nimmt nicht nur Land, Wasser und Lebensgrundlage, sondern bietet auch keine Arbeit, zum größten Teil wird Futtermittel für den Export produziert. Die Menschen vor Ort verlieren ihre Lebensgrundlagen – es zwingt sie zur Flucht!

Bodenerosion

Boden ist die Nährstoffgrundlage von Pflanzenwachstum und somit ökologisches Grundkapital der Landwirtschaft. In einer handvoll Ackerboden befinden sich mehr Mikroorganismen als Menschen auf der Erde. Durch die permanente Zersetzungsarbeit kleiner und kleinster Lebenwesen sind über die Jahrhunderte Böden mit besonderer Fruchtbarkeit entstanden. Heute sind Schätzungen zu Folge bereits 23% des weltweiten Nutzlandes nachhaltig geschädigt. Schuld daran sind vorallem Erosion aber auch der Verlust organischer Substanz, Versalzung, Staunässe, Verdichtung, Verhärtung, Versauerung, Nährstoffverlust, biologische Verarmung und Vergiftung des Bodens.
Fehler, welche bei der Bewirtschaftung begangen werden, machen sich oft spät bemerkbar. Meist zu spät, so dass die Folgen nicht mehr abzuwenden sind. In unserer Geschichte zeigt sich, dass menschliche Zivilisationen immer wieder schmerzhaft erfahren mussten, wie empfindlich unsere Grundlage, gesunder Boden mit langfristiger Fruchtbarkeit und guter Regenerationsfähigkeit gegenüber diesen genannten Punkten ist.

Patente auf Leben – Saatgut

Über die Jahrtausende hinweg wurde Saatgut von den Bäuerinnen und Bauern als gemeinsames Erbe erhalten und durch Züchtung fortentwickelt. Die Privatisierung des landwirtschaftlichen Wissens hat in den letzten Jahrzehnten bereits zu einem deutlichen Rückgang der Vielfalt an Saatgut geführt. Auch der Zugang zu Saatgut wird durch Patentierung und die Konzentration auf immer weniger Sorten immer schwieriger. Hybridsaatgut wirkt wie biologischer Sortenschutz für die Saatgutkonzerne, die Nachzuchten des selbstgewonnen Saatgutes verlieren deutlich an Qualität, was zu einer Abhänigkeit zum Saatguthersteller führt. Selbiges gilt auch für GVO-Saatgut. Patentierung auf genverändertes Saatgut kann sogar zu Lizenzgebühren führen, wenn beispielsweise Bienen mit dem GVO-Pollen meine Pflanzen bestäuben, obwohl ich das Saatgut überhaupt nicht angebaut habe. Deswegen kann es nur heißen: KEINE PATENTE AUF LEBEN! Das Leben lebt von der Vielfalt – auch beim Saatgut!

Beiträge zum Thema Landwirtschaft und Agrarwende

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