Die Agrarminister der G20 verabschieden Aktionsplan gegen Wasserverschwendung.

Die Minister der 20 wichtigstens Industrie- und Schwellenländer trafen sich am 22 Januar in Berlin und bekannten sich zu einem nachhaltigerem Umgang mit der Ressource Wasser. Die Wasserverschwendung soll begrenzt werden.
In der Abschlusserklärung heißt es: „Unser Ziel ist es, die Wassernutzungseffizienz in der Landwirtschaft durch verbesserte, auf die regionalen und lokalen Bedingungen abgestimmte Politiken zu erhöhen. Wir werden die Nutzung angepasster effizienter Methoden und Technologien fördern, um den Ertrag pro Wassertropfen zu optimieren und Wasserverluste und Verschwendung zu verringern“.

Global betrachtet entfallen etwa 70 Pronzet des genutzten Süßwassers auf die Landwirtschaft.

Gleichzeitig haben heute noch 750 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Die Agrarminister haben vier zentrale Handlungsbereiche ausgemacht: die Verringerung von Wasserknappheiten, die Reduzierung von Wasserverunreinigung, das Management von Wasserüberschuss und die Sicherstellung von ausreichend Wasser für die Landwirtschaft.

Umwelt, wie auch Entwicklungsorganisationen lobten das Bekenntnis zu einer nachhaltigeren Wassernutzung, kritisierten aber gleichzeitig, dass nicht ausreichend benannt und angegangen wird, dass die Agrarindustrie vielerorts Mitverursacher von Wassermangel ist.

So ist auf der Homepage des WWF zu vernehmen: “Der WWF fordert die deutsche Ratspräsidentschaft auf, sich für eine Reform der Agrarsubventionen im G20-Verbund einzusetzen. Zahlungen an die Landwirtschaft sollten generell an eine nachweislich legale und zugleich nachhaltige Wassernutzung innerhalb der natürlichen Grenzen von Flussgebieten gekoppelt werden. Nur so könne die voranschreitende Wasserkrise bewältigt werden.”

Als ein Beispiel für die ständige Ausbeutung nennt der WWF den Gemüseanbau im südspanischen Andalusien. Die Region gilt als „Gemüsegarten Europas“. Für ein Kilogramm Tomate werden hier im Durchschnitt  64 Liter Wasser benötigt. In Marokko sind es hingegen 98 Liter, in Süditalien sogar 115 Liter. Trotz der sehr effizienten Bewässerung der andalusischen Agrarbetriebe sinken die dortigen Grundwasserspeicher jedes Jahr weiter ab – stellenweise sogar um bis zu zehn Meter pro Jahr. Die Wasservorkommen schrumpfen, einfach weil die landwirtschaftliche Anbaufläche die natürlichen Grenzen der Verfügbarkeit sprengt. Ähnliche Fälle findet man in Kalifornien, West-Peru, den Trockenregionen des Nahen Ostens und in vielen weiteren Flussgebieten der Welt – aus denen auch Deutschland Lebensmittel importiert.

Infografik zum Wasserverbrauch der industriellen Landwirtschaft aus dem Konzernatlas 2017

Infografik zum Wasserverbrauch der industriellen Landwirtschaft aus dem Konzernatlas 2017. Urheber/in: Atlasmanufaktur/Heinrich-Böll-Stiftung.

Auch die Entwicklungsorganisationen üben Kritik

Der Verband Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe (VENRO) warnte, dass Kleinbäuerinnen und Kleinbauern durch die Ausbreitung der Agrarindustrie in den Entwicklungsländern zunehmend unter Wasserknappheit leiden: „Steigender Verbrauch und Verschmutzung von Wasser führen weltweit zu einem Existenzkampf“, erklärte VENRO-Vorstandsvorsitzender Bernd Bornhorst.

Barbara Unmüßig von der Heinrich-Böll-Stiftung: „Die Losung „more crop per drop“ (Mehr Ernte pro Tropfen) alleine kann nicht die Lösung sein: Wenige globale Konzerne drängen die Regierungen weltweit dazu, ihre strategischen Wasserpolitiken nach diesem Modell auszurichten und vor allem profitträchtigere Nutzpflanzen im industriellen Anbau zu priorisieren“
Weiter heißt es in der Mitteilung der Heinrich-Böll-Stiftung: “Diese Nutzpflanzen würden jedoch oftmals nicht zur Ernährung, sondern als industrieller Rohstoff eingesetzt. Sie beeinträchtigten die Wasserqualität und –versorgung aufgrund von übermäßig eingesetzten Düngern und Pestiziden erheblich. Agrarökologische Produktion von Kleinbäuerinnen und –bauern schneide bei der Schonung der Wasserreserven erheblich besser ab. Doch ausgerechnet den Kleinen drohten nach dem Modell erhebliche Benachteiligungen bei der Wasserversorgung, sagte Unmüßig.”

Fazit: Der staatlich subventionierte Wasserraubbau durch den Agrarsektor verschärft die globale Wasserkrise weiter. Nur wer Wasser auf lokaler und regionaler Ebene gerecht und nachhaltig verteilt, kann den Hunger auf der Welt besiegen. Durch ein “weiter so” der G20 droht eine zweifache Ernährungskrise. Während in vielen Teilen der Erde die Versorgung mit sauberem Trinkwasser für die breite Bevölkerung immer schlecht wird, drohen auf der anderen Seite Ernsteausfälle aufgrund von Trockenheit. Dass führt dazu, dass Nahrungsmittelknappheit und Hunger weltweit zunehmen.

 

Heinrich-Böll-Stiftung: Pressemitteilung zum G20-Agrarministertreffen
WWF: Wassersparen ist zu wenig
BMEL: GFFA 2017: 9. Berliner Agrarministerkonferenz verabschiedet Kommuniqué
VENRO: Agrarpolitik muss gerechter sein, um Hunger und Armut zu überwinden

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte füllen Sie dieses Feld aus

Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte gib eine gültige E-Mail-Adresse ein.

Menü